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Ich liebe Märchen,
sie haben immer einen Bezug zu Realität. Das erste Märchen,
ist das Märchen vom Mädchen ohne Hände. Im Anschluß
bringe ich meine Zusammenfassung der Interpreation nach C.G. Jung aus
dem Buch "Die Sehnducht der starken Frau nach dem starken Mann"
von Maja Storch. Die Interpretation weiterer Märchen überlasse
ich dem Leser.
Das Mädchen ohne Hände - Gebrüder
Grimm
Ein Müller war nach und nach
in Armut geraten und hatte nichts mehr als seine Mühle und einen
großen Apfelbaum dahinter. Einmal war er in den Wald gegangen, Holz
zu holen, da trat ein alter Mann zu ihm, den er noch niemals gesehen hatte,
und sprach 'was quälst du dich mit Holzhacken, ich will dich reich
machen, wenn du mir versprichst, was hinter deiner Mühle steht.'
'Was kann das anders sein als mein Apfelbaum?' dachte der Müller,
sagte 'ja,' und verschrieb es dem fremden Manne. Der aber lachte höhnisch
und sagte 'nach drei Jahren will ich kommen und abholen, was mir gehört,'
und ging fort. Als der Müller nach Haus kam, trat ihm seine Frau
entgegen und sprach 'sage mir, Müller, woher kommt der plötzliche
Reichtum in unser Haus? auf einmal sind alle Kisten und Kasten voll, kein
Mensch hats hereingebracht, und ich weiß nicht, wie es zugegangen
ist.' Er antwortete 'das kommt von einem fremden Manne, der mir im Walde
begegnet ist und mir große Schätze verheißen hat; ich
habe ihm dagegen verschrieben, was hinter der Mühle steht: den großen
Apfelbaum können wir wohl dafür geben.' 'Ach, Mann,' sagte die
Frau erschrocken, 'das ist der Teufel gewesen: den Apfelbaum hat er nicht
gemeint, sondern unsere Tochter, die stand hinter der Mühle und kehrte
den Hof.'
Die Müllerstochter war ein
schönes und frommes Mädchen und lebte die drei Jahre in Gottesfurcht
und ohne Sünde. Als nun die Zeit herum war, und der Tag kam, wo sie
der Böse holen wollte, da wusch sie sich rein und machte mit Kreide
einen Kranz um sich. Der Teufel erschien ganz frühe, aber er konnte
ihr nicht nahekommen. Zornig sprach er zum Müller 'tu ihr alles Wasser
weg, damit sie sich nicht mehr waschen kann, denn sonst habe ich keine
Gewalt über sie.' Der Müller fürchtete sich und tat es.
Am andern Morgen kam der Teufel wieder, aber sie hatte auf ihre Hände
geweint, und sie waren ganz rein. Da konnte er ihr wiederum nicht nahen
und sprach wütend zu dem Müller 'hau ihr die Hände ab,
sonst kann ich ihr nichts anhaben.' Der Müller entsetzte sich und
antwortete 'wie könnt ich meinem eigenen Kinde die Hände abhauen!'
Da drohte ihm der Böse und sprach 'wo du es nicht tust, so bist du
mein, und ich hole dich selber.' Dem Vater ward angst, und er versprach,
ihm zu gehorchen. Da ging er zu dem Mädchen und sagte 'mein Kind,
wenn ich dir nicht beide Hände abhaue, so führt mich der Teufel
fort, und in der Angst hab ich es ihm versprochen. Hilf mir doch in meiner
Not und verzeihe mir, was ich Böses an dir tue.' Sie antwortete 'lieber
Vater, macht mit mir, was Ihr wollt, ich bin Euer Kind.' Darauf legte
sie beide Hände hin und ließ sie sich abhauen. Der Teufel kam
zum drittenmal, aber sie hatte so lange und so viel auf die Stümpfe
geweint, daß sie doch ganz rein waren. Da mußte er weichen
und hatte alles Recht auf sie verloren.
Der Müller sprach zu ihr
'ich habe so großes Gut durch dich gewonnen, ich will dich zeitlebens
aufs köstlichste halten.' Sie antwortete aber 'hier kann ich nicht
bleiben: ich will fortgehen: mitleidige Menschen werden mir schon so viel
geben, als ich brauche.' Darauf ließ sie sich die verstümmelten
Arme auf den Rücken binden, und mit Sonnenaufgang machte sie sich
auf den Weg und ging den ganzen Tag, bis es Nacht ward. Da kam sie zu
einem königlichen Garten, und beim Mondschimmer sah sie, daß
Bäume voll schöner Früchte darin standen; aber sie konnte
nicht hinein, denn es war ein Wasser darum. Und weil sie den ganzen Tag
gegangen war und keinen Bissen genossen hatte, und der Hunger sie quälte,
so dachte sie 'ach, wäre ich darin, damit ich etwas von den Früchten
äße, sonst muß ich verschmachten.'
Da kniete sie nieder, rief Gott
den Herrn an und betete. Auf einmal kam ein Engel daher, der machte eine
Schleuse in dem Wasser zu, so daß der Graben trocken ward und sie
hindurchgehen konnte. Nun ging sie in den Garten, und der Engel ging mit
ihr. Sie sah einen Baum mit Obst, das waren schöne Birnen, aber sie
waren alle gezählt. Da trat sie hinzu und aß eine mit dem Munde
vom Baume ab, ihren Hunger zu stillen, aber nicht mehr. Der Gärtner
sah es mit an, weil aber der Engel dabeistand, fürchtete er sich
und meinte, das Mädchen wäre ein Geist, schwieg still und getraute
nicht zu rufen oder den Geist anzureden. Als sie die Birne gegessen hatte,
war sie gesättigt, und ging und versteckte sich in das Gebüsch.
Der König, dem der Garten gehörte, kam am andern Morgen herab,
da zählte er und sah, daß eine der Birnen fehlte, und fragte
den Gärtner, wo sie hingekommen wäre: sie läge nicht unter
dem Baume und wäre doch weg. Da antwortete der Gärtner 'vorige
Nacht kam ein Geist herein, der hatte keine Hände und aß eine
mit dem Munde ab.' Der König sprach 'wie ist der Geist über
das Wasser hereingekommen? und wo ist er hingegangen, nachdem er die Birne
gegessen hatte?' Der Gärtner antwortete 'es kam jemand in schneeweißem
Kleide vom Himmel, der hat die Schleuse zugemacht und das Wasser gehemmt,
damit der Geist durch den Graben gehen konnte. Und weil es ein Engel muß
gewesen sein, so habe ich mich gefürchtet, nicht gefragt und nicht
gerufen. Als der Geist die Birne gegessen hatte, ist er wieder zurückgegangen.'
Der König sprach 'verhält es sich, wie du sagst, so will ich
diese Nacht bei dir wachen.'
Als es dunkel ward, kam der König
in den Garten, und brachte einen Priester mit, der sollte den Geist anreden.
Alle drei setzten sich unter den Baum und gaben acht. Um Mitternacht kam
das Mädchen aus dem Gebüsch gekrochen, trat zu dem Baum, und
aß wieder mit dem Munde eine Birne ab; neben ihr aber stand der
Engel im weißen Kleide. Da ging der Priester hervor und sprach 'bist
du von Gott gekommen oder von der Welt? bist du ein Geist oder ein Mensch?'
Sie antwortete 'ich bin kein Geist, sondern ein armer Mensch, von allen
verlassen, nur von Gott nicht.' Der König sprach 'wenn du von aller
Welt verlassen bist, so will ich dich nicht verlassen.' Er nahm sie mit
sich in sein königliches Schloß, und weil sie so schön
und fromm war, liebte er sie von Herzen, ließ ihr silberne Hände
machen und nahm sie zu seiner Gemahlin.
Nach einem Jahre mußte der
König über Feld ziehen, da befahl er die junge Königin
seiner Mutter und sprach 'wenn sie ins Kindbett kommt, so haltet und verpflegt
sie wohl und schreibt mirs gleich in einem Briefe.' Nun gebar sie einen
schönen Sohn. Da schrieb es die alte Mutter eilig und meldete ihm
die frohe Nachricht. Der Bote aber ruhte unterwegs an einem Bache, und
da er von dem langen Wege ermüdet war, schlief er ein. Da kam der
Teufel, welcher der frommen Königin immer zu schaden trachtete, und
vertauschte den Brief mit einem andern, darin stand, daß die Königin
einen Wechselbalg zur Welt gebracht hätte. Als der König den
Brief las, erschrak er und betrübte sich sehr, doch schrieb er zur
Antwort, sie sollten die Königin wohl halten und pflegen bis zu seiner
Ankunft. Der Bote ging mit dem Brief zurück, ruhte an der nämlichen
Stelle und schlief wieder ein. Da kam der Teufel abermals und legte ihm
einen andern Brief in die Tasche, darin stand, sie sollten die Königin
mit ihrem Kinde töten. Die alte Mutter erschrak heftig, als sie den
Brief erhielt, konnte es nicht glauben und schrieb dem Könige noch
einmal, aber sie bekam keine andere Antwort, weil der Teufel dem Boten
jedesmal einen falschen Brief unterschob: und in dem letzten Briefe stand
noch, sie sollten zum Wahrzeichen Zunge und Augen der Königin aufheben.
Aber die alte Mutter weinte, daß
so unschuldiges Blut sollte vergossen werden, ließ in der Nacht
eine Hirschkuh holen, schnitt ihr Zunge und Augen aus und hob sie auf.
Dann sprach sie zu der Königin 'ich kann dich nicht töten lassen,
wie der König befiehlt, aber länger darfst du nicht hier bleiben:
geh mit deinem Kinde in die weite Welt hinein und komm nie wieder zurück.'
Sie band ihr das Kind auf den Rücken, und die arme Frau ging mit
weiniglichen Augen fort. Sie kam in einen großen wilden Wald, da
setzte sie sich auf ihre Knie und betete zu Gott, und der Engel des Herrn
erschien ihr und führte sie zu einem kleinen Haus, daran war ein
Schildchen mit den Worten 'hier wohnt ein jeder frei.' Aus dem Häuschen
kam eine schneeweiße Jungfrau, die sprach 'willkommen, Frau Königin,'
und führte sie hinein. Da band sie ihr den kleinen Knaben von dem
Rücken und hielt ihn an ihre Brust, damit er trank, und legte ihn
dann auf ein schönes gemachtes Bettchen. Da sprach die arme Frau
'woher weißt du, daß ich eine Königin war?' Die weiße
Jungfrau antwortete 'ich bin ein Engel, von Gott gesandt, dich und dein
Kind zu verpflegen.' Da blieb sie in dem Hause sieben Jahre, und war wohl
verpflegt, und durch Gottes Gnade wegen ihrer Frömmigkeit wuchsen
ihr die abgehauenen Hände wieder.
Der König kam endlich aus dem Felde wieder nach
Haus, und sein erstes war, daß er seine Frau mit dem Kinde sehen
wollte. Da fing die alte Mutter an zu weinen und sprach 'du böser
Mann, was hast du mir geschrieben, daß ich zwei unschuldige Seelen
ums Leben bringen sollte!' und zeigte ihm die beiden Briefe, die der Böse
verfälscht hatte, und sprach weiter 'ich habe getan, wie du befohlen
hast,' und wies ihm die Wahrzeichen, Zunge und Augen. Da fing der König
an noch viel bitterlicher zu weinen über seine arme Frau und sein
Söhnlein, daß es die alte Mutter erbarmte und sie zu ihm sprach
'gib dich zufrieden, sie lebt noch. Ich habe eine Hirschkuh heimlich schlachten
lassen und von dieser die Wahrzeichen genommen, deiner Frau aber habe
ich ihr Kind auf den Rücken gebunden, und sie geheißen, in
die weite Welt zu gehen, und sie hat versprechen müssen, nie wieder
hierher zu kommen, weil du so zornig über sie wärst.' Da sprach
der König 'ich will gehen, so weit der Himmel blau ist, und nicht
essen und nicht trinken, bis ich meine liebe Frau und mein Kind wiedergefunden
habe, wenn sie nicht in der Zeit umgekommen oder Hungers gestorben sind.'
Darauf zog der König umher,
an die sieben Jahre lang, und suchte sie in allen Steinklippen und Felsenhöhlen,
aber er fand sie nicht und dachte, sie wäre verschmachtet. Er aß
nicht und trank nicht während dieser ganzen Zeit, aber Gott erhielt
ihn. Endlich kam er in einen großen Wald und fand darin das kleine
Häuschen, daran das Schildchen war mit den Worten 'hier wohnt jeder
frei.' Da kam die weiße Jungfrau heraus, nahm ihn bei der Hand,
führte ihn hinein und sprach 'seid willkommen, Herr König,'
und fragte ihn, wo er herkäme. Er antwortete 'ich bin bald sieben
Jahre umhergezogen, und suche meine Frau mit ihrem Kinde, ich kann sie
aber nicht finden.' Der Engel bot ihm Essen und Trinken an, er nahm es
aber nicht, und wollte nur ein wenig ruhen. Da legte er sich schlafen,
und deckte ein Tuch über sein Gesicht.
Darauf ging der Engel in die Kammer,
wo die Königin mit ihrem Sohne saß, den sie gewöhnlich
Schmerzenreich nannte, und sprach zu ihr 'geh heraus mitsamt deinem Kinde,
dein Gemahl ist gekommen.' Da ging sie hin, wo er lag, und das Tuch fiel
ihm vom Angesicht. Da sprach sie 'Schmerzenreich, heb deinem Vater das
Tuch auf und decke ihm sein Gesicht wieder zu.' Das Kind hob es auf und
deckte es wieder über sein Gesicht. Das hörte der König
im Schlummer und ließ das Tuch noch einmal gerne fallen. Da ward
das Knäbchen ungeduldig und sagte 'liebe Mutter, wie kann ich meinem
Vater das Gesicht zudecken, ich habe ja keinen Vater auf der Welt. Ich
habe das Beten gelernt, unser Vater, der du bist im Himmel; da hast du
gesagt, mein Vater wär im Himmel und wäre der liebe Gott: wie
soll ich einen so wilden Mann kennen? der ist mein Vater nicht.' Wie der
König das hörte, richtete er sich auf und fragte, wer sie wäre.
Da sagte sie 'ich bin deine Frau, und das ist dein Sohn Schmerzenreich.'
Und er sah ihre lebendigen Hände und sprach 'meine Frau hatte silberne
Hände.' Sie antwortete 'die natürlichen Hände hat mir der
gnädige Gott wieder wachsen lassen;' und der Engel ging in die Kammer,
holte die silbernen Hände und zeigte sie ihm. Da sah er erst gewiß,
daß es seine liebe Frau und sein liebes Kind war, und küßte
sie und war froh, und sagte 'ein schwerer Stein ist von meinem Herzen
gefallen.' Da speiste sie der Engel Gottes noch einmal zusammen, und dann
gingen sie nach Haus zu seiner alten Mutter. Da war große Freude
überall, und der König und die Königin hielten noch einmal
Hochzeit, und sie lebten vergnügt bis an ihr seliges Ende.
Maja Storch macht uns Frauen hier mit der analytischen
Pschyologie von C.G. Jung vertraut, und erklärt, warum wir starken
Frauen in der heutigen Zeit in dem romantischen Dilemma stecken. Als kleines
Mädchen ist der Vater der wichtigste Mann in unserem Leben, was er
sagt ist richtig und danach richten wir uns. Selbst, wenn er uns, wie
in diesem Märchen an den Teufel "verkauft", so glauben
und vertrauen ihm. Die Mutter in dem Märchen ist auch nicht gerade
das leuchtende Vorbild für das junge Mädchen. Mit anderen Worten,
die Ehe der Eltern ist nicht in Ordnung. Das Mädchen versucht alles
um nicht diese Ehe mit dem Teufel eingehen zu müssen. Sie widersetzt
sich den Wünschen des Vaters, fügt sich große Verletzungen
zu und geht. Sie versucht alleine zurecht zu kommen und trifft den Mann,
den sie liebt und er liebt sie. Sie kommen zusammen und trotzdem funktioniert
es nicht. Irgendwie führen sie die Ehe der Eltern weiter, beide wollen
es nicht, er flüchtet bzw. zieht in den Krieg und sie bekommt das
Kind Schmerzensreich. Mit diesem Kind verschwindet sie auch. Beide begeben
sich auf die Suche zu sich selbst. Und immer wieder kommt der Teufel ins
Spiel, stellt sie auf die Probe. Der starke Mann begibt sich endlich auf
die Suche nach ihr und sie lebt mit ihrem Kind Scherzensreich alleine
in einer Hütte im Wald. Und irgendwann findet er die Hütte im
Wald. Müde von der Suche ruht er sich aus und legt sich ein Tuch
über das Gesicht. Und nun erkennt sie bzw. das Kind (in ihr) Schmerzensreich,
dieser Mann, der sie sieben Jahre gesucht hat, nicht so ist wie ihr Vater.
Sie sieht nun, wie er wirklich ist. Auch der Mann, sieht seine Frau nun
anders. Sie ist nicht mehr die schwache Frau, der die Hände fehlen.
Sie hat die Entwicklung zur starken Frau abgeschlossen, und hat wieder
beide Hände. Um sich so zu entwickeln mußte sie Scherzensreich
zur Welt bringen. Er sieht nun, sie braucht nicht mehr sein Hilfe um sich
in der Welt zurecht zufinden. Dies ist nun die Grundlage um neu zu beginnen
Übertragen wir nun das Märchen in die
heutige Zeit. Eine Kurzbeschreibung:
Die starke Frau ist im besten Sinne emanzipiert. Sie ist autonom und hat
eine entwickelte Persönlichkeit, sie liebt ihren Beruf, kann ihren
Standpunkt vertreten und ihre Interessen durchsetzen, sie lacht gerne,
liebt ihren Körper und sie ist neugierigherauszufinden, was das Leben
für sie bereit hält. Kurz: Sie hat ihr Leben im Griff. Aber
wenn sie sich verliebt, geschehen merkwürdige Dinge ... warum muss
es immer der einsame Wolf, der Streuner sein, warum immer der, der so
schwer zu erringen ist, warum immer der, der am wenigsten gut zu uns ist?
Warum langweilt uns der nette Junge von nebenan? Vom Macho, der ausstrahlt,
dass er weiß, was er will, fühlen wir uns magisch angezogen,
inszenieren aber, kaum, dass er gesagt hat, dass er uns liebt, einen Machtkampf
und beenden die Beziehung noch bevor sie richtig begonnen hat. Was passiert?
Erstaunlich traditionelle Verhaltensmuster gewinnen die Oberhand, wenn
die starke Frau ihrem ersehnten starken Mann begegnet. Sie ist wie verwan
delt . Alles, wonach sie sich jetzt sehnt, ist Romantik und Hingabe, Titanic-Liebe
und Rosamunde Pilcher, Nestbau und Häuslichkeit ... keine Spur mehr
von der starken, selbstbewussten Power-Frau. Aus dem Strudel der Gefühle
zwischen Sehnsucht nach Hingabe und Panik und Kampf gegen den Tyrannen,
der ihr Freiheit und Autonomie zu nehmen droht, zieht sich die starke
Frau oftmals erschöpft zurück. Maja Storch zeigt anhand zahlreicher
Beispiele aus der Praxis, warum die starke Frau ihre Liebesbeziehungen
immer wieder selbst sabotiert und wie sie aus diesem Dilemma herausfinden
kann.
Ich kann dieses Buch nur empfehlen. Maja Storch
schreibt auch sehr schön über die Suche der starken Männer.
Ich zitiere: "Diese suchenden Männer sind manchmal genauso
verwirrt und orientierungslos, wie es die starken Frauen zeitweise sind.
Und auch diese Männer sehnen sich nach einer erfüllten Liebe.
Und auch sie wisen nicht, noch nicht, was sie tun sollen. Sie sind zermürbt
vom Kampf mit der Tigerin, und ihre Wunden sind tief. Aber sie werden
nicht aufgeben, nach der Liebe zu suchen. Und wenn sie auf der Suche nach
Liebe an eine starke Frau geraten, die den kampf de Tigerin kämpft,
werden sie noch mehr verwirrt, als sie es ohnehin schon sind. Und diese
Männer gehen genau denselben schwierigen Weg, für den Sie sich
als starke frau entschieden haben. Und auch sie werden durch viele Schmerzen
gehen und viele Kämpfe mit Teufel und Teufelinnen zu bestehen haben.
Diese Männer gibt es. Sie suchen, sie ringen, sie leiden, und sie
geben nicht auf. Weil sie nach der frau suchen, bei der sie die Liebe
finden. Irgendwo da draußen ist der, der nach Ihnen sucht.Und wenn
sich beide auf den Weg machen, dann werden Sie ihn treffen. Sie müssen
ihnnur erkennen (hab ich) wenn Sie ihn getroffen haben. Sie müssen
ihm, dem Ausgezehrten und ermatteten, das Tüchlein vom Gesicht nehmen
und sagen: "Da bist du ja." (Geschieht von ganz alleine) Wenn
er Ihnen begegnet, seien Sie geduldig. Seien Sie geduldig mit zwei Personen.
Mit sich und ihm (leichter gesagt als getan). Wenn Sie diesen Mann gefunden
haben, dann vertrauen Sie nicht auf bewährte Modelle von Beziehungen
zwischen Mann und Frau, denn es gibt keine mehr. Und wenn Sie beide, Frau
und Mann, genaug Ausdauer aufbringen und genauso viel zärtliche Geduld
aufbringen mit den eigenen innerseelischen Prozessen wie mit denen Ihres
geliebten stark-schwachen Menschen, dann werden Sie eines Tages zusammen
nach Hause an Ihren Königshof reiten und glücklich leben, bis
das Leben Ihnen eine neue Aufgabe stellt."
Ich wünsche mir, dass so ein starker Mann
auf der Suche nach mir ist, der genau wie ich auf der Suche nach sich
selbst ist/war und dass er irgendwann vor meiner Tür steht. Das wünsche
ich mir. Irgendwo ist auch mein König. Und er wird vor meiner Tür
stehen, dass weiß ich!

Aschenputtel - Gebrüder Grimm
Einem reichen
Manne, dem wurde seine Frau krank, und als sie fühlte, dass ihr Ende
herankam, rief sie ihr einziges Töchterlein zu sich ans Bett und
sprach "liebes Kind, bleibe fromm und gut, so wird dir der liebe
Gott immer beistehen, und ich will vom Himmel auf dich herabblicken, und
will um dich sein."
Darauf tat sie die Augen zu und
verschied. Das Mädchen ging jeden Tag hinaus zu dem Grabe der Mutter
und weinte, und blieb fromm und gut. Als der Winter kam, deckte der Schnee
ein weißes Tüchlein auf das Grab, und als die Sonne im Frühjahr
es wieder herabgezogen hatte, nahm sich der Mann eine andere Frau.
Die Frau hatte zwei Töchter
mit ins Haus gebracht, die schön und weiß von Angesicht waren,
aber garstig und schwarz von Herzen. Da ging eine schlimme Zeit für
das arme Stiefkind an. "Soll die dumme Gans bei uns in der Stube
sitzen", sprachen sie, "wer Brot essen will, muss es verdienen:
hinaus mit der Küchenmagd." Sie nahmen ihm seine schönen
Kleider weg, zogen ihm einen grauen alten Kittel an, und gaben ihm hölzerne
Schuhe.
"Seht einmal die stolze Prinzessin,
wie sie geputzt ist", riefen sie, lachten und führten es in
die Küche. Da musste es von Morgen bis Abend schwere Arbeit tun,
früh vor Tag aufstehen, Wasser tragen, Feuer anmachen, kochen und
waschen. Obendrein taten ihm die Schwestern alles ersinnliche Herzeleid
an, verspotteten es und schütteten ihm die Erbsen und Linsen in die
Asche, so dass es sitzen und sie wieder auslesen musste. Abends, wenn
es sich müde gearbeitet hatte, kam es in kein Bett, sondern musste
sich neben den Herd in die Asche legen. Und weil es darum immer staubig
und schmutzig aussah, nannten sie es Aschenputtel.
Es trug sich zu, dass der Vater
einmal in die Messe ziehen wollte, da fragte er die beiden Stieftöchter,
was er ihnen mitbringen sollte.
"Schöne Kleider" sagte die eine, "Perlen und Edelsteine"
die zweite.
"Aber du, Aschenputtel" sprach er, "was willst du haben?"
"Vater, das erste Reis, das Euch auf Eurem Heimweg an den Hut stößt,
das brecht für mich ab."
Er
kaufte nun für die beiden Stiefschwestern schöne Kleider, Perlen
und Edelsteine, und auf dem Rückweg, als er durch einen grünen
Busch ritt, streifte ihn ein Haselreis und stieß ihm den Hut ab.
Da brach er das Reis ab und nahm es mit. Als er nach Haus kam, gab er
den Stieftöchtern, was sie sich gewünscht hatten, und dem Aschenputtel
gab er das Reis von dem Haselbusch. Aschenputtel dankte ihm, ging zu seiner
Mutter Grab und pflanzte das Reis darauf, und weinte so sehr, dass die
Tränen darauf niederfielen und es begossen. Es wuchs aber, und ward
ein schöner Baum. Aschenputtel ging alle Tage dreimal darunter, weinte
und betete, und allemal kam ein weißes Vöglein auf den Baum,
und wenn es einen Wunsch aussprach, so warf ihm das Vöglein herab,
was es sich gewünscht hatte.
Es begab sich aber, dass der König ein Fest anstellte, das drei Tage
dauern sollte, und wozu alle schönen Jungfrauen im Lande eingeladen
wurden, damit sich sein Sohn eine Braut aussuchen möchte. Die zwei
Stiefschwestern, als sie hörten, dass sie auch dabei erscheinen sollten,
waren guter Dinge, riefen Aschenputtel und sprachen "Kämm uns
die Haare, bürste uns die Schuhe und mache uns die Schnallen fest,
wir gehen zur Hochzeit auf des Königs Schloss." Aschenputtel
gehorchte, weinte aber, weil es auch gern zum Tanz mitgegangen wäre,
und bat die Stiefmutter, sie möchte es ihm erlauben.
"Du Aschenputtel" sprach sie, "bist voll Staub und Schmutz,
und willst zur Hochzeit? Du hast keine Kleider und Schuhe, und willst
tanzen". Als es aber mit Bitten anhielt, sprach sie endlich "da
habe ich dir eine Schüssel Linsen in die Asche geschüttet, wenn
du die Linsen in zwei Stunden wieder ausgelesen hast, so sollst du mitgehen."
Das Mädchen ging durch die
Hintertür nach dem Garten und rief "ihr zahmen Täubchen,
ihr Turteltäubchen, all ihr Vöglein unter dem Himmel, kommt
und helft mir lesen, die guten ins Töpfchen, die schlechten ins Kröpfchen."
Da kamen zum Küchenfenster zwei weiße Täubchen herein,
und danach die Turteltäubchen, und endlich schwirrten und schwärmten
alle Vöglein unter dem Himmel herein und ließen sich um die
Asche nieder. Und die Täubchen nickten mit den Köpfchen und
fingen an pick, pick, pick, pick, und da fingen die übrigen auch
an pick, pick, pick, pick, und lasen alle guten Körnlein in die Schüssel.
Kaum war eine Stunde herum, so waren sie schon fertig und flogen alle
wieder hinaus.
Da brachte das Mädchen die Schüssel der Stiefmutter, freute
sich und glaubte, es dürfte nun mit auf die Hochzeit gehen. Aber
sie sprach "nein, Aschenputtel, du hast keine Kleider, und kannst
nicht tanzen, du wirst nur ausgelacht." Als es nun weinte, sprach
sie "wenn du mir zwei Schüsseln voll Linsen in einer Stunde
aus der Asche rein lesen kannst, so sollst du mitgehen" und dachte
"das kann es ja nimmermehr."
Als sie die zwei Schüsseln
Linsen in die Asche geschüttet hatte, ging das Mädchen durch
die Hintertür nach dem Garten und rief "ihr zahmen Täubchen,
ihr Turteltäubchen, all ihr Vöglein unter dem Himmel, kommt
und helft mit lesen, die guten ins Töpfchen,die schlechten ins Kröpfchen."
Da kamen zum Küchenfenster zwei weiße Täubchen herein
und danach die Turteltäubchen, und endlich schwirrten und schwärmten
alle Vögel unter dem Himmel herein und ließen sich um die Asche
nieder. Und die Täubchen nickten mit ihren Köpfchen und fingen
an pick, pick, pick, pick, und da fingen die übrigen auch an pick,
pick, pick, pick, und lasen alle guten Körner in die Schüsseln.
Und ehe eine halbe Stunde herum war, waren sie schon fertig, und flogen
alle wieder hinaus.
Da trug das Mädchen die Schüsseln zu der Stiefmutter, freute
sich und glaubte, nun dürfte es mit auf die Hochzeit gehen. Aber
sie sprach "es hilft dir alles nichts, du kommst nicht mit, denn
du hast keine Kleider und kannst nicht tanzen; wir müssten uns deiner
schämen." Darauf kehrte sie ihm den Rücken zu und eilte
mit ihren zwei stolzen Töchtern fort.
Als nun niemand mehr daheim war,
ging Aschenputtel zu seiner Mutter Grab unter den Haselbaum und rief "Bäumchen,
rüttel dich und schüttel dich, wirf Gold und Silber über
mich."
Da warf ihm der Vogel ein golden und silbern Kleid herunter und mit Seide
und Silber ausgestickte Pantoffeln. In aller Eile zog es das Kleid an
und ging zur Hochzeit. Seine Schwestern aber und die Stiefmutter kannten
es nicht und meinten, es müsse eine fremde Königstochter sein,
so schön sah es in dem goldenen Kleide aus. An Aschenputtel dachten
sie gar nicht und dachten, es säße daheim im Schmutz und suchte
die Linsen aus der Asche. Der Königssohn kam ihm entgegen, nahm es
bei der Hand und tanzte mit ihm. Er wollte auch sonst mit niemand tanzen,
also dass er ihm die Hand nicht losließ, und wenn ein anderer kam,
es aufzufordern, sprach er "das ist meine Tänzerin."
Es tanzte, bis es Abend war, da
wollte es nach Haus gehen. Der Königssohn aber sprach "ich gehe
mit und begleite dich" denn er wollte sehen, wem das schöne
Mädchen angehörte. Sie entwischte ihm aber und sprang in das
Taubenhaus. Nun wartete der Königssohn, bis der Vater kam, und sagte
ihm, das fremde Mädchen wär in das Taubenhaus gesprungen. Der
Alte dachte "sollte es Aschenputtel sein?" und sie mussten ihm
Axt und Hacken bringen, damit er das Taubenhaus entzweischlagen konnte,
aber es war niemand darin. Und als sie ins Haus kamen, lag Aschenputtel
in seinen schmutzigen Kleidern in der Asche, und ein trübes Öllämpchen
brannte im Schornstein; denn Aschenputtel war geschwind aus dem Taubenhaus
hinten herabgesprungen, und war zu dem Haselbäumchen gelaufen: da
hatte es die schönen Kleider abgezogen und aufs Grab gelegt und der
Vogel hatte sie wieder weggenommen, und dann hatte es sich in seinem grauen
Kittelchen in die Küche zur Asche gesetzt.
Am andern Tag, als das Fest von neuem anhub, und die Eltern und Stiefschwestern
wieder fort waren, ging Aschenputtel zu dem Haselbaum und sprach "Bäumchen,
rüttel dich und schüttel dich, wirf Gold und Silber über
mich."
Da warf der Vogel ein noch viel
stolzeres Kleid herab als am vorigen Tag. Und als es mit diesem Kleide
auf der Hochzeit erschien, erstaunte jedermann über seine Schönheit.
Der Königssohn aber hatte gewartet, bis es kam, nahm es gleich bei
der Hand und tanzte nur allein mit ihm. Wenn die andern kamen und es aufforderten,
sprach er "das ist meine Tänzerin." Als es nun Abend war,
wollte es fort und der Königssohn ging ihm nach und wollte sehen,
in welches Haus es ging: aber es sprang ihm fort und in den Garten hinter
dem Haus. Darin stand ein schöner großer Baum, an dem die herrlichsten
Birnen hingen, es kletterte so behänd wie ein Eichhörnchen zwischen
die Äste, und der Königssohn wusste nicht, wo es hingekommen
war. Er wartete aber, bis der Vater kam, und sprach zu ihm "das fremde
Mädchen ist mir entwischt, und ich glaube, es ist auf den Birnbaum
gesprungen." Der Vater dachte "sollte es Aschenputtel sein?"
ließ sich die Axt holen und hieb den Baum um, aber es war niemand
darauf. Und als sie in die Küche kamen, lag Aschenputtel da in der
Asche, wie sonst auch, denn es war auf der andern Seite vom Baum herabgesprungen,
hatte dem Vogel auf dem Haselbäumchen die schönen Kleider wiedergebracht
und sein graues Kittelchen angezogen. Am dritten Tag, als die Eltern und
Schwestern fort waren, ging Aschenputtel wieder zu seiner Mutter Grab
und sprach zu dem Bäumchen "Bäumchen, rüttel dich
und schüttel dich, wirf Gold und Silber über mich."
Nun warf ihm der Vogel ein Kleid herab, das war so prächtig und glänzend,
wie es noch keins gehabt hatte, und die Pantoffeln waren ganz golden.
Als es in dem Kleid zu der Hochzeit kam, wussten sie alle nicht, was sie
vor Verwunderung sagen sollten. Der Königssohn tanzte ganz allein
mit ihm, und wenn es einer aufforderte, sprach er "das ist meine
Tänzerin."
Als es nun Abend war, wollte Aschenputtel
fort, und der Königssohn wollte es begleiten, aber es entsprang ihm
so geschwind, dass er nicht folgen konnte. Der Königssohn hatte aber
eine List gebraucht, und hatte die ganze Treppe mit Pech bestreichen lassen:
da war, als es hinabsprang, der linke Pantoffel des Mädchens hängen
geblieben. Der Königssohn hob ihn auf, und er war klein und zierlich
und ganz golden.
Am nächsten Morgen ging er
damit zu dem Mann und sagte zu ihm "keine andere soll meine Gemahlin
werden als die, an deren Fuß dieser goldene Schuh passt." Da
freuten sich die beiden Schwestern, denn sie hatten schöne Füße.
Die älteste ging mit dem Schuh in die Kammer und wollte ihn anprobieren,
und die Mutter stand dabei. Aber sie konnte mit der großen Zehe
nicht hineinkommen, und der Schuh war ihr zu klein, da reichte ihr die
Mutter ein Messer und sprach "hau die Zehe ab: wann du Königin
bist, so brauchst du nicht mehr zu Fuß zu gehen." Das Mädchen
hieb die Zehe ab, zwängte den Fuß in den Schuh, verbiss den
Schmerz und ging heraus zum Königssohn. Da nahm er sie als seine
Braut aufs Pferd und ritt mit ihr fort. Sie mussten aber an dem Grabe
vorbei, da saßen die zwei Täubchen auf dem Haselbäumchen
und riefen "rucke di guck, rucke di guck, Blut ist im Schuck (Schuh):
Der Schuck ist zu klein, die rechte Braut sitzt noch daheim."
Da blickte er auf ihren Fuß
und sah, wie das Blut herausquoll. Er wendete sein Pferd um, brachte die
falsche Braut wieder nach Hause und sagte, das wäre nicht die rechte,
die andere Schwester solle den Schuh anziehen. Da ging diese in die Kammer
und kam mit den Zehen glücklich in den Schuh, aber die Ferse war
zu groß. Da reichte ihr die Mutter ein Messer und sprach "hau
ein Stück von der Ferse ab: wann du Königin bist, brauchst du
nicht mehr zu Fuß zu gehen." Das Mädchen hieb ein Stück
von der Ferse ab, zwängte den Fuß in den Schuh, verbiss den
Schmerz und ging heraus zum Königssohn. Da nahm er sie als seine
Braut aufs Pferd und ritt mit ihr fort. Als sie an dem Haselbäumchen
vorbeikamen, saßen die zwei Täubchen darauf und riefen "rucke
di guck, rucke di guck, Blut ist im Schuck (Schuh): Der Schuck ist zu
klein, die rechte Braut sitzt noch daheim."
Er blickte nieder auf ihren Fuß
und sah, wie das Blut aus dem Schuh quoll und an den weißen Strümpfen
ganz rot heraufgestiegen war. Da wendete er sein Pferd und brachte die
falsche Braut wieder nach Haus. "Das ist auch nicht die rechte,"
sprach er, "habt ihr keine andere Tochter?" "Nein"
sagte der Mann, "nur von meiner verstorbenen Frau ist noch ein kleines
verbuttetes Aschenputtel da: das kann unmöglich die Braut sein."
Der Königssohn sprach, er sollte es heraufschicken, die Mutter aber
antwortete "ach nein, das ist viel zu schmutzig, das darf sich nicht
sehen lassen." Er wollte es aber durchaus haben, und Aschenputtel
musste gerufen werden.
Da wusch es sich erst Hände
und Angesicht rein, ging dann hin und neigte sich vor dem Königssohn,
der ihm den goldenen Schuh reichte. Dann setzte es sich auf einen Schemel,
zog den Fuß aus dem schweren Holzschuh und steckte ihn in den Pantoffel,
der war wie angegossen. Und als es sich in die Höhe richtete und
der König ihm ins Gesicht sah, so erkannte er das schöne Mädchen,
das mit ihm getanzt hatte, und rief "das ist die rechte Braut."
Die Stiefmutter und die beiden Schwestern erschraken und wurden bleich
vor Arger: er aber nahm Aschenputtel
aufs Pferd und ritt mit ihm fort. Als sie an dem Haselbäumchen vorbeikamen,
riefen die zwei weißen Täubchen "rucke di guck, rucke
di guck kein Blut im Schuck Der Schuck ist nicht zu klein, die rechte
Braut, die führt er heim." Und als sie das gerufen hatten, kamen
sie beide herabgeflogen und setzten sich dem Aschenputtel auf die Schultern,
eine rechts, die andere links, und blieben da sitzen.
Als die Hochzeit mit dem Königssohn
sollte gehalten werden, kamen die falschen Schwestern, wollten sich einschmeicheln
und teil an seinem Glück nehmen. Als die Brautleute nun zur Kirche
gingen, war die älteste zur rechten, die jüngste zur linken
Seite: da pickten die Tauben einer jeden das eine Auge aus. Hernach, als
sie herausgingen, war die älteste zur linken und die jüngste
zur rechten: da pickten die Tauben einer jeden das andere Auge aus. Und
waren sie also für ihre Bosheit und Falschheit mit Blindheit auf
ihr Lebtag bestraft.

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